200x100x4 cm
Öl, Acryl und Spachtel auf Leinwand.
Auftragsarbeit Kunst am Bau.
WIR SIND STAHL
Kunst am Bau · Bitburg-Stahl
Als mich die Stadt Bitburg beauftragte, im Rahmen von Kunst am Bau ein Gemälde über den Wiederaufbau von Bitburg-Stahl nach der verheerenden Flutkatastrophe zu schaffen, war für mich von Beginn an klar, dass dieses Werk mehr sein musste als die bildnerische Erinnerung an Zerstörung.
Es sollte nicht allein davon erzählen, was verloren ging, sondern vor allem davon, was geblieben ist – und was neu entstanden ist.
Denn die eigentliche Geschichte von Stahl nach der Flut ist für mich eine Geschichte der Menschen.
Es ist die Geschichte einer Gemeinschaft, die in einer außergewöhnlichen Situation zusammengerückt ist. Menschen halfen einander, arbeiteten Hand in Hand, räumten auf, bauten wieder auf und gaben ihrem Ort Stück für Stück sein Gesicht und sein Leben zurück.
Aus diesem Gedanken entstand der Titel:
„WIR SIND STAHL“
Dieser Satz bezeichnet für mich weit mehr als einen Ort.
Er steht für Zugehörigkeit, Gemeinschaft, Widerstandskraft und Identität. Er beschreibt jene besondere Kraft, die entsteht, wenn aus vielen Einzelnen ein gemeinsames Wir wird.
Das Gemälde ist deshalb nicht als chronologische Dokumentation der Flutkatastrophe angelegt. Vielmehr verdichtet es unterschiedliche Momente, Erinnerungen und Emotionen zu einer gemeinsamen Bildwirklichkeit.
Auf der linken Seite begegnen uns Arbeit, Bewegung und Wiederaufbau. Menschen und Maschinen werden zu Zeichen des Handelns. Die Spuren der Zerstörung sind noch gegenwärtig, doch der Mensch bleibt ihnen nicht ausgeliefert. Er beginnt, seine Umgebung zurückzugewinnen und neu zu gestalten.
Im Zentrum des Bildes öffnet sich die Komposition.
Eine Gruppe von Menschen bewegt sich gemeinsam in den Bildraum hinein. Für mich liegt gerade in dieser Szene eine wesentliche Aussage des gesamten Werkes:
Niemand geht diesen Weg allein.
Die Menschen wenden uns den Rücken zu, weil ihr Blick nicht mehr ausschließlich auf das Vergangene gerichtet ist. Ihr Blick führt nach vorne.
Sie gehen gemeinsam.
Sie gehen in die Zukunft.
Über dieser Bewegung stehen zwei für Stahl prägende Gebäude:
Das Gemeindehaus und die Kirche.
Die Kirche wird dabei zum Symbol für Glauben, Hoffnung und Zuversicht und für das Vertrauen darauf, dass selbst nach tiefgreifender Zerstörung ein Neubeginn möglich bleibt.
Das Gemeindehaus steht für die weltliche Gemeinschaft:
für Begegnung, Gespräch, Zusammenhalt und das gesellschaftliche Leben der Stahler Mitbürger.
Beide Gebäude bilden innerhalb des Gemäldes Fixpunkte. Sie stehen sinnbildlich für jene Werte und Strukturen, die einer Gemeinschaft Halt geben.
Auf der rechten Seite verändert sich schließlich die Atmosphäre. Aus Wiederaufbau wird Begegnung, aus Arbeit wieder Leben. Menschen kommen zusammen, sitzen miteinander, sprechen und feiern. Diese Szene ist bewusst Teil des Werkes, denn Wiederaufbau bedeutet für mich nicht allein, Straßen, Häuser und Mauern wiederherzustellen.
Ein Ort ist erst dann wirklich wieder aufgebaut, wenn in ihm wieder gelebt wird.
Auch die Farbigkeit folgt diesem Gedanken.
Kräftige Blau- und Türkistöne treffen auf warme Gelb-, Ocker-, Orange- und Rotnuancen. Diese spannungsreiche Gegenüberstellung von Kalt und Warm ist Ausdruck jener emotionalen Gegensätze, welche diese Zeit geprägt haben:
Verlust und Hoffnung, Erschöpfung und Kraft, Erinnerung und Neubeginn.
Die Farben konkurrieren miteinander und finden dennoch zu einer gemeinsamen Balance, ähnlich wie die unterschiedlichen Erfahrungen vieler Menschen schließlich Teil einer gemeinsamen Geschichte werden.
Formal bewegt sich das Werk zwischen Expressionismus, realistischer Gegenständlichkeit und abstrakter Auflösung.
Figuren, Architektur und Situationen bleiben erkennbar, während Flächen, Strukturen, Überlagerungen und gestische Spuren die sichtbare Wirklichkeit aufbrechen.
Gerade diese Verbindung war mir wichtig.
Denn Erinnerung ist niemals vollkommen gegenständlich. Sie besteht aus Bildern und Fragmenten, aus Farben, Gefühlen und Augenblicken. Manche Ereignisse bleiben deutlich vor unserem inneren Auge bestehen, andere verschwimmen mit der Zeit. So wechseln auch innerhalb des Gemäldes konkrete Darstellung und abstrakte Struktur miteinander.
Über einen Zeitraum von insgesamt vier Monaten ist dieses Werk entstanden.
Schicht um Schicht entwickelte sich eine Bildlandschaft, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind. Die sichtbaren Spuren des malerischen Prozesses bleiben dabei bewusst erhalten. Sie erinnern an Verletzungen und Brüche. Gleichzeitig aber auch daran, dass über Bestehendem immer wieder etwas Neues entstehen kann.
So verstehe ich „WIR SIND STAHL“ letztlich nicht als Gemälde über eine Katastrophe.
Es ist ein Gemälde über das, was Menschen einer Katastrophe entgegensetzen können.
Über Hilfsbereitschaft.
Über Zusammenhalt.
Über Glauben und Zuversicht.
Über die Kraft einer Gemeinschaft, die nicht vergessen hat, was geschehen ist, sich davon aber auch nicht bestimmen lässt.
Die Flut ist Teil der Geschichte dieses Ortes geworden.
Aber sie ist nicht seine Zukunft.
Die Zukunft sind die Menschen, die geblieben sind, die geholfen haben, die wieder aufgebaut haben und die Stahl erneut mit Leben erfüllen.
Ihnen ist dieses Gemälde gewidmet.
Wir bauen gemeinsam.
Wir erinnern gemeinsam.
Wir leben gemeinsam.
„WIR SIND STAHL“
In großer Dankbarkeit
Ihr Maler
Lichtfall.
top of page

4.800,00 €Preis
bottom of page
